Wirtschaft

Mazedonien ist ein wirtschaftlich aufstrebendes Land, liegt aber im Vergleich zu den meisten anderen Balkanstaaten in seiner gesamtwirtschaftlichen Entwicklung noch zurück. Die mazedonische Regierung versucht seit Jahren, mit weitreichenden wirtschaftspolitischen Reformen im Bereich der staatlichen Verwaltung und auf dem Industriesektor sowie einer verbesserten Bildungs-und Sozialpolitik das Land auf einen baldigen EU-Beitritt vorzubereiten. Das Interesse aus-und inländischer Investoren sollte mit erheblichen Steuererleichterungen im Unternehmerrecht und einer Senkung der Sozialabgaben geweckt werden, damit durch die Ansiedlung neuer Unternehmen mehr Arbeitsplätze geschaffen und die mit über 30 % sehr hohe Arbeitslosenquote im Land abgebaut werden kann. Seit Januar 2008 gilt ein feststehender Steuersatz von 10 % für Körperschaftssteuer und Erwerbseinkommen, der für viele neu gegründete Betriebe eine erhebliche finanzielle Erleichterung bedeutet und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unterstützt..

Handelsgüter in Mazedonien
Wichtige Export-Handelsgüter im internationalen Warenverkehr Mazedoniens sind Textilien, Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse, Tabak, Erdöl, chemische Erzeugnisse, Rohstoffe wie Eisen, Stahl, Zink und Kupfer, Maschinen und Metallerzeugnisse. Importiert werden vor allem Autos, Ersatzteile und KFZ-Zubehör, Elektrotechnik, Metallwaren, Materialien für die Textilbranche, mineralische Brennstoffe, chemische Erzeugnisse, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Eisen und Stahl. Sowohl im Export als auch im Bereich der importierten Waren sind die EU-Mitgliedstaaten mit über 50 % am Handelsvolumen Mazedoniens beteiligt und unterstützen den zukünftigen EU-Staat damit in seinem wirtschaftlichen Aufbau.

Wirtschaftliche Entwicklung in Mazedonien
Aufgrund des Stabilisierungs-und Assoziierungsabkommens der EU kann Mazedonien als EU-Beitrittskandidat ab Januar 2011 im Zuge der Gleichstellung der miteinander handelnden Staaten Industrieprodukte zollfrei in die EU einführen und unterliegt – wie all die anderen EU-Länder auch – den geltenden Quotenbeschränkungen für die Einfuhr von Agrarprodukten. Deutschland gehörte im Jahr 2009 mit Russland und Griechenland zu den stärksten Handelspartnern des kleinen Balkan-Staates.

Finanzielle Unterstützung erfährt Mazedonien nicht nur durch die erheblichen wirtschaftlichen Fördermittel der EU (von 2007-2009 über 210 Mio. Euro), sondern auch durch Transferleistungen von Menschen, die Mazedonien verlassen haben, um im Ausland zu arbeiten und von dort ihre Familien oft über viele Jahre hinweg mit grosszügigen Geldüberweisungen unterstützen. Das durchschnittliche Monatseinkommen der arbeitenden Bevölkerung liegt heute in Mazedonien bei 250.- bis 330.- €, in manchen Dienstleistungsbereichen aber auch deutlich darunter. Durch die familiäre Auslandshilfe ist es vielen Menschen trotzdem möglich, auch ohne eigenes Einkommen zu überleben und den Privatkonsum in Mazedonien trotz hoher Arbeitslosenzahlen, die hauptsächlich die jugendliche Landbevölkerung betrifft, zu beleben. Mit der Auslandshilfe ehemaliger Mazedonier werden z. B. die alten Häuser der zurück gelassenen Familien modernisiert, kleine Betriebe eröffnet oder nötige Anschaffungen getätigt, die insgesamt zur weiteren positiven wirtschaftlichen Entwicklung Mazedoniens beitragen. Zudem wird der mazedonische Staat durch diese Art der familiären Unterstützung finanziell entlastet, da diese Gelder in zahlreichen Fällen den Lebensunterhalt von sozial schwachen Familien aufstocken, für die sonst der mazedonische Staat aufkommen müsste. Die im sozialen Bereich ersparten Kosten konnten für die Verringerung der Staatsverschuldung eingesetzt werden, um damit eines der wichtigsten Kriterien der EU-Beitrittsbedingungen zu erfüllen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für den wirtschaftlichen Erfolg Mazedoniens ist eine Währung, die ohne grosse Kursschwankungen im internationalen Warenverkehr für Preisstabilität sorgt. Aus diesem Grund hat die mazedonische Zentralbank in Absprache mit dem Internationalen Währungsfond den Mazedonischen Denar (MKD) an den Euro gekoppelt und damit Wechselkursrisiken für ausländische Unternehmen kalkulierbar gemacht, was zu einer weiteren Verbesserung der Handelsbeziehungen mit den EU-Staaten geführt hat. Touristen, die Urlaub in Mazedonien machen, können schon heute fast gänzlich auf den Währungstausch verzichten, weil der Euro als Zahlungsmittel in Mazedonien sehr beliebt ist und eigentlich überall zu reellen Kursen angenommen wird. Sobald Mazedonien und Griechenland ihre Auseinandersetzungen bezüglich des Ländernamens für Mazedonien beigelegt haben, wird die EU die Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien aufnehmen und den kleinen Balkanstaat vielleicht schon bald als neues Mitglied in der Europäischen Union begrüssen.